Einfach nur Steine?

Mont Saint-Michel

Über Land geht es ganz langsam Richtung Atlantikküste. Wir verbringen die Tage nur selten auf den vorderen Sitzen unseres Campers, sondern vielmehr entspannt vor dem Auto in der Sonne mit Blick in herbstlich bunte Täler oder beim entspannten Sightseeing in pittoresken, mittelalterlichen Städtchen.

Die schöne Stadt Chartres

Die schöne Stadt Chartres

Die Hektik der Großstadt Paris fällt langsam von uns ab und wir genießen die Einsamkeit in der Natur. Erst nach 6 Tagen erreichen wir den Atlantik und unser nächstes Reiseziel: Mont Saint-Michel. Diese heilige Insel im Ärmelkanal, mitten im Meer ist je nach Jahreszeit und Anziehungskraft des Mondes einem Tidenhub (das ist der Unterschied zwischen Ebbe und Flut) von bis zu 15m ausgesetzt. Bei Ebbe kann man von den zahlreichen Aussichtspunkten auf dem Mont (Berg) kilometerweit Watt erblicken, das die Insel umgibt. 6 Stunden später umspült das Wasser sie wieder.

Vögel, Sand und Watt so weit das Augen blicken kann

Vögel, Sand und Watt so weit das Augen blicken kann

Es ist beeindruckend, sich ihr über den einzigen Damm, der sie mit dem Festland verbindet, zu nähern. Schon von Weitem ist man fasziniert von ihrer Schönheit, wie sie mit samt ihren schlanken Türmchen, den Fachwerkhäusern und der Abtei auf dem Gipfel aus der Weite des Meeres herausragt. Selbst von der Sonne angestrahlt verliert diese Insel nichts von ihrem mythischen Charakter, den bereits die Kelten erahnten: deren Glaube zufolge reisten zu ihr die Seelen der Toten.

Der Damm als einziger Zugang zum Mont Saint-Michel

Der Damm als einziger Zugang zum Mont Saint-Michel

Recht lebendig machen wir uns daran, diesen heiligen Berg zu erklimmen und seine Geheimnisse zu entdecken. Außerhalb der Saison hat man das Glück, sich nicht mit abertausenden Touristen die engen Gassen und kleinen Läden teilen zu müssen. Es ist recht übersichtlich aber dennoch gut gefüllt. Gut, dass Herbst ist. Wir schlendern, staunen und Michi kauft: Souvenirs vom Heiligen Michael, der Grund für die Errichtung dieses Ortes gewesen sein soll und als vergoldete Kupferstatue auf der Turmspitze der Abteil thront. Dort tötet er den Teufel in Drachengestalt und somit siegt das Gute über das Böse. Wie im wahren Leben.

Schöner Ausblick über die Dächer von Mont Saint-Michel

Spiralförmiger Aufbau der Stadt

Spiralförmiger Aufbau der Stadt

Die Häuser wurden spiralförmig um den Fels angeordnet, da der Berg in seiner Form einer Pyramide gleicht und die Abtei bildet die Spitze. Wir kämpfen uns über steile Treppen atemlos nach oben und unsere Euphorie, die Abtei auch von Innen sehen zu können, wird abrupt zerstört: Eintritt 9€/Person.
Irgendwie habe ich aber das Gefühl, bei dem Kassenpersonal doch nochmal nachzufragen und mir wird erklärt, dass der Besuch heute frei sei. Der Eintritt kostet jeden ersten Sonntag im Monat nichts, bis auf ein erleichtertes, frohes Lächeln und ein „Merci beaucoup“. Uns werden Infomaterialien zur Abtei und ein Wegeplan in die Hand gedrückt und schon dürfen wir auf eigene Faust dieses imposante Gebäude, nein Gelände erkunden. Vorbei an den Wohnräumen der Äbte, an Räumen für Gebet und Meditation sowie den Arbeits- und Studierzimmern der Mönche mit riesigen – ich kann mich reinstellen – Kaminen. Wir kommen vom ehemaligen Speisesaal der Mönche zum „Gebeinzimmer“ dem sogenannten Karner, hier wurden aus dem Friedhof ausgegrabene menschliche Gebeine gestapelt – Bon appetit. Unser Rundgang endet auf der riesigen Terrasse vor der Abtei und man hat einen wundervollen und weiten Blick auf die Bucht, das Watt und die weiter draußen liegenden Granitinseln. Aus diesem Granit entstand einst auch diese Abtei.

Weit und breit: Watt

Weit und breit: Watt

Carnac

Aus Granit bestehen ebenfalls die Menhire in der Bretagne, einer Gegend, die aufgrund ihrer keltischen Vergangenheit recht geheimnisvoll erscheint. Die Menschen hier pflegen ihre keltischen Sitten, Feste und ihre bretonische Sprache. Ob bei Mc Donalds oder an Orteingangs- sowie Ortsausgangsschildern, überall stolpern wir über die Zweisprachigkeit dieser Region. So wird auch das Wort Menhire vom bretonischen abgeleitet: maen bedeutet Stein, hir bedeutet lang.

Carnacs heilige Steine

Carnacs heilige Steine

Die meisten dieser aufrecht stehenden großen Steine befinden sich an der bretonischen Atlantikküste, vor allem am Golfe du Morbihan. Dort ist es Carnac und nicht etwa Stonehenge, das weltweit die größte Anzahl solcher megalithischer Stätten aufweist. Darüber hinaus sind diese auch noch mehr als 1000 Jahre älter. Über 3000 Steine, manche bis zu 7000 Jahre alt, andere beinahe 300 Tonnen schwer. Warum? Und wofür? Theorien gibt es viele: Die Steine als Mittel für astronomische Berechnungen oder, was eher vermutet wird, als Leiter spiritueller Energien. Tatsächlich werden hier magnetische Erdenergieströme gemessen. Viele Menschen, die hierher kommen, versprechen sich von den Steinen Heil- und Fruchtbarkeitskräfte. Frauen reiben ihre Bäuche an den Steinen, in der Hoffnung, deren spirituelle Kraft schenke ihnen Kinder. Andere sehen es vielleicht aber auch völlig rational und unspirituell: ein riesiger Haufen großer Steine, eingezäunt. Vom Herbst bis ins Frühjahr hat man aber die Möglichkeit, eigenständig einige Stätten zu erlaufen. Im Sommer sind die Besuche stark reglementiert und nur per Führung realisierbar.

Über 3000 Menhire in akuraten Reihen

Über 3000 Menhire in akuraten Reihen

Durch die Zäune und die touristische Bedeutsamkeit dieser Menhire etwas desillusioniert, möchte Michi nicht lange bleiben und so machen wir uns nach kurzer Zeit wieder auf unseren Weg…auf einen Campingplatz. Wir müssen unbedingt duschen. So hätte man allerdings auch die Touristen vertreiben können 😉

 

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