Intro: Portugal

Ohne eine reisende Menschenseele zu sehen, beginnen wir auch unsere Zeit in Portugal. Nicht einmal Rentner in Plastikbombern begegnen wir. Niemand, der uns auf den Straßen entgegen kommt oder in die gleiche Richtung fährt.
Wen wir jedoch im Norden Portugals antreffen, vor allem in abgelegenen Waldgebieten, sind Prostituierte, die mit Wasserflasche ausgerüstet und übergroßer Handtasche auf dem Schoß, auf mitgebrachten Stühlen sitzend auf den nächsten Kunden warten.

Das nervtötende Nebelhorn

Das nervtötende Nebelhorn

 

In Esposende gibt es weit und breit das einzige Nebelhorn, das permanent ohrenbetäubenden Lärm produziert, bei jedem Wetter. Bei stetem Sonnenschein gab es für jeden Angler, Touristen und Spaziergänger alle 5 Sekunden einen 3 Sekunden andauernden (subjektiv empfunden eher 5-minütigen), durch Mark und Bein gehenden Ton. Der hat selbst den Nebel verschreckt. Wie die Angler an diesem Ort Fische fangen können, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Gut für die Fische!

 

 

Selbst Tote macht dieser Lärm wieder lebendig und so suchen wir ca. 2 km weiter südlich nach einem Parkplatz für die Nacht. Hier treffen wir zum ersten Mal auch auf Gleichgesinnte, ein Pärchen aus MS, das recht schnell bis Marokko kommen will. Wir verbringen den Abend zusammen draußen, quatschen über unsere Pläne, trinken Kirschlikör und lauschen dem weit entfernten Wehklagen des Nebelhorns. Am nächsten Tag brechen die beiden schon wieder auf.

Auf unserer Fahrt Richtung Süden begegnen wir nun immer mehr Wohnmobilen. Dank der App park4night finden wir einen recht sicheren und ruhigen Platz für die nächsten Tage, nicht weit vom Stadtzentrum Portos entfernt.

Blick über Porto und Vila Nova de Gaia

Blick über Porto und Vila Nova de Gaia

Der Platz eignet sich hervorragend, um die Stadt zu erkunden. Zu Fuß ist man in ca. 20 Minuten in Vila Nova de Gaia, DAS Zentrum des Portweins und nach einem kurzen Fußweg über die spektakuläre Brücke Dom Luís I wird man in das historische Zentrum und Unesco Weltkulturerbe Ribeira geworfen. Mit seinen farbenfrohen aber etwas morbiden Stadthäusern aus dem frühen 20. Jahrhundert direkt am Rio Douro, seinen vielen erstklassigen Weinkellern, den mittelalterlichen Relikten und den pompösen barocken Kirchen lässt es uns annähernd erahnen, wie besonders diese Stadt ist. Auch das Drogenangebot ist hier recht besonders, noch nie wurde uns so oft Marihuana oder Haschisch angeboten. Wochen hätten wir hier high verbringen können…

Der Rio Douro

Der Rio Douro

2 Tage sind es dann aber nur, die wir die Stadt erkunden, die vielen steilen Gassen erlaufen, auf Miradouros (bekannte Aussichtspunkte, meist recht weit oben über der Stadt) die Aussicht über die Stadt und den Fluss genießen, flanieren und spazieren.

Die alten Stadthäuser am Flußufer

Die alten Stadthäuser am Flußufer

Auf und ab in Porto

Auf und ab in Porto

Auf dem Stellplatz lernen wir Helga, Günter und Duffy, den Hund kennen. Helga gibt uns noch einige Stellplatz- und Stadttipps. Die Drei wollen den Winter in Portugal und Spanien verbringen und wie wir Ende Dezember in Lissabon sein. Vielleicht sehen wir uns dort dann zu Weihnachten wieder.

Während es sie nun eher ins Landesinnere von Portugal zieht, machen wir uns weiter Richtung Süden, an der Küste entlang. Die Adventssonntage ziehen an uns vorbei. Das Anzünden einer Kerze oder das Essen von aus Deutschland mitgebrachten Pfeffernüssen ist nur ein spärlicher Versuch, Weihnachtsstimmung bei uns aufkommen zu lassen. Bei durchschnittlich 16 Grad und Sonnenschein will das nicht so recht gelingen.

 

Langsam schleifen sich Routinen ein: Halma spielen zum Frühstück, Kaffee am Strand, Sonnenuntergang am Abend, dazwischen ab und zu Toilette und Grauwasser leeren, Wassertank füllen, Auto fegen, Wäsche waschen. Rentnergebaren, ich fühl mich alt…
Nur noch dafür fahren wir Campingplätze an. Zuvor haben wir am „Waschtag“ auch auf einem Campingplatz übernachtet, doch das sparen wir uns mittlerweile.

Unser Stellplatz vor Baleal

Unser Stellplatz vor Baleal

Für die Nacht fahren wir nur noch schöne Plätze am Strand, am Stausee, auf dem Land oder an etwas abgelegenen Uferpromenaden an. Wo es uns gefällt und wo wir ein gutes Bauchgefühl haben, schlagen wir unser Lager auf. Auch wenn das freie Übernachten in Portugal prinzipiell verboten ist, so wird es in den Wintermonaten überwiegend geduldet. Die Guardia Civil fährt Streife, grüßt aber nur nett. In den Sommermonaten wird aus dem freundlichen Winken jedoch schnell ein erhobener Zeigefinger: von einem netten Verweis auf die umliegenden Campingplätze bis hin zur sofortigen Barzahlung von bis zu 200,- € ist alles dabei.

 

 

 

Das nächste Ziel soll Peniche sein, doch kurz bevor wir auf die kleine Halbinsel abbiegen wollen, sehen wir einige Vans am Strand stehen. Wir entscheiden uns spontan dazu, abzubiegen und uns dort einen Stellplatz zu suchen. Vor uns liegen 2 sich gegenüberliegende Buchten, nur durch ein Sträßchen miteinander verbunden. Dieses verbindet ebenfalls das Dörfchen Baleal mit dem Festland, liegt jedoch so tief, dass es bei Flut auch schon mal überspült wird und somit Baleal vom Rest der Welt trennt.

 

Baleal

Baleal

 

Baleal ist eine wahre Schönheit, schüchtern, hat aber viel zu bieten: weite und schöne Ausblicke auf die felsige Küste und das naheliegende Peniche, feinen Sandstrand, weiße Häuser, enge Gassen und das wild-sanfte Meer. Überall ist geschäftiges Treiben, in den Cafés und Bars sitzen Leute, Surfer wachsen ihre Bretter, an den Außenspiegeln der Autos hängen ihre Neoprenanzüge zum Trocknen. Es ist auf Anhieb sehr sympathisch.

 

Suferparadies Baleal

Suferparadies Baleal

Rechts ein Strand. Links ein Strand.

Rechts ein Strand. Links ein Strand.

Das Übernachten scheint, nach Nachfrage, für die Polizei hier kein Problem zu sein und so verbringen wir hier (mal wieder) außerplanmäßig die nächsten 5 Tage; erklimmen die Klippen von Baleal; beobachten die wirklich zahlreichen Surfer aus den unterschiedlichsten Ländern; lernen u.a. Tom, Henning und Matze aus Deutschland, Brian aus Schweden und Emma aus den Niederlanden kennen und veranstalten feucht-fröhliche Glühweinabende inkl. Weihnachtsmusik draußen vorm Auto bei arschkalten 5 Grad. Es ist so schön, dass wir erst am 24.Dezember tatsächlich nach Lissabon aufbrechen. Weihnachten in Lissabon, na dann mal los…

 

2 Comments

  • Ulrike Wienecke sagt:

    Liebe Cat,
    ich habe überlegt, ob ich dir überhaupt schreibe oder einfach schweige und darüber hinweggehe. Aber, da ich versuche achtsam gegenüber meinen Mitmenschen zu sein, möchte ich meine Betroffenheit äußern und vielleicht zum Nachdenken anregen.

    Inzwischen bin ich auch „Rentnerin in einem Plastikbomber“, aber auch Naturliebhaberin, freiheitsliebend, reisefreudig, Köchin, Fotografin, Leserin, wanderfreudig, Fahrradfahrerin, abenteuerlustig……. Ich kann mir vorstellen, dass vielleicht schlechte Erfahrungen zu dieser Abwertung geführt haben, aber eine Pauschalisierung ist selten richtig.

    Ansonsten ganz viel Lob!!!!!! Deine Berichte mit den wunderbaren Fotos sprechen mich sehr an. Sie liefern viele hilfreiche Informationen für das Bereisen dieser Länder.

    Mit der Freude auf weitere Berichte und liebe Grüße
    Ulrike Wienecke

    • Cat sagt:

      Liebe Ulrike,
      danke für deinen Kommentar. Natürlich ist meine Einleitung in diesen Beitrag, an dem Du dich etwas reibst, ohne negative Konnotation zu lesen. Wir haben sehr nette Bekanntschaften mit Jüngeren wie auch Älteren, in Hippiebussen sowie in Plastikbombern geschlossen. Warum ich sie trotzdem „Plastikbomber“ nenne? Weil sie nicht wirklich schön anzusehen sind und das ist nur meine ganz eigene Meinung. Schön, dass Du mir dazu geschrieben hast, so können Missverständnisse behoben werden. Danke weiterhin für Dein Kompliment, es bedeutet mir viel, wenn Leser meine Texte und Fotos mögen. Einen schönen Osetrsonntag und viele Grüße aus Lanzarote!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.