Magie des Nordens: Ein Aurora Borealis – Tagebuch

Die Ereignisse der letzten Nächte bewogen mich dazu, nun doch einmal das gute alte MS-Word aus der Schublade zu holen, den Staub von den Tasten zu pusten und meinen ersten Beitrag auf unserem Blog zu verfassen. Wir stehen gerade an einem schönen Platz am Rande eines Naturschutzgebietes in Schweden und haben uns strategisch so positioniert, dass wir einen möglichst freien Blick in alle Himmelsrichtungen haben – im dicht bewaldeten Schweden gar nicht so einfach. Denn wie wir erkannt haben: in Polarlichtnächten ist eine gute Weitsicht alles!

Tag 1 – 30.08.2016

Nach einem gemütlichen letzten Abend im Norden Norwegens, ganz in der Nähe der finnischen Grenze, waren wir gerade dabei, uns in die warmen Betten zu kuscheln. Wir standen auf einem schönen Platz mitten im Wald und gingen gegen 23:30 Uhr nochmal kurz aus dem Auto. Wie seit Tagen wanderte der Blick auch heute gen Himmel, um nach Polarlichtern zu sehen. Große Hoffnung hatten wir im Jahr mit den geringsten Eruptionen seit 100 Jahren nicht. Doch dann sahen wir zum ersten Mal das seichte Grün zwischen den Wolken hervorschimmern. Aufgeregt schreiend sprangen wir ins Auto, zogen uns hektisch alle dicken Sachen an, die wir auf die Schnelle in die Finger bekamen und stürzten zurück ins Freie. Ein Stück aus dem Wald war eine kleine Freifläche zu der wir rannten. Dann ging es los – unbeschreiblich schön, unglaublich aufregend. Grünes glänzendes Licht wechselte sich mit grellen weis-violetten Partikelschauern ab. Bis 1 Uhr in der Früh schwankten wir im Minutentakt zwischen demütiger Erstarrung und Euphorie. Aufgeregt und unendlich zufrieden gingen wir später ins Bett.

Das erste Polarlicht unseres Lebens

Das erste Polarlicht unseres Lebens – noch etwas verschwommen

Tag 2 – 31.08.2016

Der erste Tag in Finnland an der sogenannten Northern Lights Route, die ihrem Namen auch alle Ehre macht, endete für uns mit der zweiten Polarlichtnacht. Noch ganz geflasht von der vorherigen Nacht, schauten wir in der Dämmerung fast minütlich aus dem Fenster. Wieder hatten wir das Glück eines fast wolkenfreien Himmels. Gegen 22.00 Uhr sahen wir die ersten grünen Strahlen. Also wieder schnell rein in die Klamotten und raus aus dem Auto. Cate hatte heute alles vorbereitet: Tee gemacht, Mütze, Schal, Kamera und Stativ bereitgelegt. Die Sonne legte sich heute gleich zu Beginn mächtig ins Zeug. Bereits in der Dämmerung konnten wir von allen Richtungen aus Polarlichter sehen – wieder unbeschreiblich schön. Leider kam Wind auf, sodass die Fotos durch die Langzeitbelichtung etwas unscharf wurden. Und dann gegen 23:30 Uhr eröffnete sich über uns ein einzigartiges Schauspiel: der gesamte Himmel war von hellem Licht erstrahlt. Es war eine so starke Strahlung, dass wir uns im Dunkeln gut sehen konnten. Das Licht waberte in regenbogenfarbenen Strudeln und Teilchenketten über unsere Köpfe hinweg, als wäre der ganze Himmel in Bewegung. Es ist schwer in Worte zu fassen, was da eigentlich genau passierte. Wir hatten das Gefühl, dem Universum live bei der Arbeit zusehen zu dürfen, als könnte man die Schöpfung fast greifen. Etwas Schöneres und Beeindruckenderes hatten wir nie zuvor gesehen – ein Erlebnis, das uns die Freudentränen in die Augen drückte. Gegen 0:00 Uhr ließen die Lichter nach. Doch aus Angst, etwas zu verpassen, blieben wir noch eine weitere Stunde draußen, den Blick in den Himmel geheftet.

Wundervoll

Wundervoll

Tag 3 – 01.09.2016

Auch in dieser Nacht blieb uns das Glück hold und wir hatten einen sternenklaren Himmel. Dieses Mal waren die Polarlichter bereits ab 21:30 Uhr zu sehen. Generell war es die letzten Tage so, dass die Lichter immer wieder aufblitzten, mehr oder weniger lange zu sehen waren und dann wieder erloschen. Es ist extrem spannend, manchmal 20 Minuten im Dunkeln zu warten und dann plötzlich, wie von Geisterhand, entsteht innerhalb von Sekunden ein Polarlicht. Nach einer sehr intensiven halben Stunde, in der die Lichter sehr hell und stark zu sehen waren, konnte man sie den Rest der Nacht nur schwach erkennen. Zwar war der ganze Himmel damit bedeckt und die Kamera konnte sie aufzeichnen, jedoch sahen sie mit dem bloßen Auge wie Schleierwolken aus. Dennoch blieben wir bis spät draußen, genossen die Stimmung, hatten einen wundervollen Abend mit Fotosession und viel Spaß.

Zunächst sehr schwach und nur mit Kamera wahrnehmbar

Zunächst sehr schwach und nur mit Kamera wahrnehmbar

Etwas später intensiv und leuchtend

Etwas später intensiv und leuchtend

Kopf im Nacken | Nordlicht-Selfie

Kopf im Nacken | Nordlicht-Selfie

Tag 4 – 02.09.2016

Am vierten Tag, auf 800m Höhe im finnischen Nationalpark Pallastunturin, wollte die Sonne mal so richtig protzen. An den anderen Tagen tauchten die Lichter eher intervallartig auf, doch heute blieben sie sehr lange – bis zu 15 Minuten am Stück und unglaublich groß. Wir konnten so ganz deutlich sehen, wie die elektrisch geladenen Teilchen in die Erdatmosphäre eindringen und Sauerstoff- und Stickstoffmoleküle zum Leuchten bringen  – einfach phantastisch.

Eiskalte Nacht unter Sonnensturm

Eiskalte Nacht unter Sonnensturm

Tag 5 – 04.09.2016

Nun wieder in Schweden angekommen hatten wir nach zwei Tagen mit bedecktem Himmel abermals das Glück eines sternenklaren Himmels. Wir standen am Rande eines kleinen Naturschutzgebietes, in dem der Raufußbussard beheimatet ist. Eine kalte Nacht wartete auf uns und die leuchtenden Laternen des unweit gelegenen Dörfchens sorgten für leichte Lichtverschmutzung. Gegen 22:00 Uhr ging es los – wie ein großer Fluss waberten die Lichter von West nach Ost. Ein ständiges Pulsieren. Das Auf und Ab der Lichter machte diesen Strom am Himmel so unglaublich faszinierend.

Lisa beleuchtet

Lisa beleuchtet

Elektrisch geladene Lichtformationen

Elektrisch geladene Lichtformationen

Tag 6 – 05.09.2016

Unsere sechste Polarlichtnacht wird uns wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Wir hatten uns, als nun schon erfahrene Beobachter, einen sehr schönen Platz am Waldrand mit weitem Seeblick gesucht. Als Erstes begrüßte uns ein neugieriges Rentier. An diesem schönen Platz gab es auch endlich die Möglichkeit für ein Lagerfeuer und so suchten wir uns Totholz für ein schönes, wärmendes Feuer. Die letzten Nächte waren einfach zu kalt, auch wenn man die Kälte bei einem so faszinierenden Naturschauspiel gern mal ignoriert. Voller Erwartungen fieberten wir der Dämmerung entgegen.

Freudige Aufregung: Nordlichter tauchen auf

Freudige Aufregung: Nordlichter tauchen auf

Dann ging es los – der Himmel tobte förmlich. Die Lichter strömten von allen Seiten über unsere Köpfe hinweg, trafen sich in der Mitte und explodierten über uns – einfach einzigartig schön. Bis spät in die Nacht hinein saßen wir am Feuer und beobachteten das unterschiedlich starke Glühen von gräulich-weiß, fast nicht sichtbar bis hin zu intensivem, sehr gut erkennbarem Grün.

Die unterschiedlichsten Formationen und Farben

Die unterschiedlichsten Formationen und Farben

In den nächsten Tagen hingen die Wolken tief und bescherten uns in regelmäßigen Abständen ordentliche Regenschauer. Wir mussten uns schweren Herzens von diesem wundervollen Naturschauspiel verabschieden, denn unabhängig vom Wetter wollten wir weiter Richtung Süden. Dieser Sonnensturm, so überraschend und unerwartet, bescherte uns in diesen letzten sechs Nächten unvergessliche Erlebnisse und wundervolle Glücksmomente. Den gefährlichen Sonnenstürmen sei Dank.

Eine wundervolle Nordlichtnacht – für uns die Schönste!

Wie entstehen überhaupt Nordlichter und wie fotografiere ich sie?

Das erfahrt Ihr hier mit einem Klick

 

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