Nicht Ziel und nicht Zufall

Bereits etwas demotiviert verlassen wir die 2. Stadt im Rhônetal in der Schweiz auf der Suche nach einem geeigneten Stellplatz für die Nacht. Es ist mittlerweile später Nachmittag und die bisher begutachteten Plätze sind entweder zu laut, zu exponiert oder zu klein für unseren Camper.
Da wir das Rhônetal im Anschluss an unsere Zeit in Chamonix durchfahren, sind wir landschaftlich stark verwöhnt und ich bin zugegebener Maßen nicht wirklich begeistert. Vieles scheint schnell aus dem Boden gestampft worden zu sein. Neubauten ragen empor, akkurat angelegte Siedlungen durchziehen die Ortschaften. Und überall ein nerviges Verbotsschild: Parken verboten!

Vorn die Burgkirche, dahinter die Schule.
Ein Stellplatz in Raron.

 

Wir suchen also weiter und in einem der vielen Kreisverkehre biegen wir – vom Bauchgefühl geleitet – in das nächste Dorf ab. Wir folgen einem Wegweiser, der eine Burgkirche ankündigt. Im Ort finden wir dann endlich einen annehmbaren Stellplatz, zwar vor einer Schule und noch bis 19 Uhr zu bezahlen aber wir sind zu erschöpft, um nach Alternativen zu suchen.

 

 

 

Zur Kirche wollen wir trotzdem und folgen den Wegweisern.

Die Burgkirche von Raron.

Die Burgkirche von Raron.

Auf einem der Wegweiser wird dann zusätzlich zur Kirche auch das Rilkegrab angekündigt. Wir schauen uns entgeistert an und lassen uns von einer Einheimischen aufklären: es scheint zu stimmen, wir sind im Rilkedorf Raron gestrandet. Ich muss lachen, denn seitdem ich 16 Jahre alt bin, begleitet Rilke mich immer wieder in meinem Leben mit seinen vielen wundervollen Gedichten und Geschichten, sei es zur Abschlussprüfung meines Literaturstudiums oder in Lieblingsfilmen. Und nun stehen wir an der Burgkirche, vor seinem Grab in dem Dorf, in dem er sich begraben lassen wollte, unweit des Schlosses Muzot, seinem letzten Wohnsitz. Verrückt!

Rilkes Grab an den Mauern der Burgkirche. Rose, oh reiner Widerspruch, Lust, Niemandes Schlaf zu sein unter soviel Lidern

Rilkes Grab an den Mauern der Burgkirche.
Rose, oh reiner Widerspruch, Lust,
Niemandes Schlaf zu sein unter soviel
Lidern

Wir entscheiden uns, noch etwas trinken zu gehen und landen ungeplant im „Restaurant Rilke“, das von Ozzy geführt wird. Seine Gäste und auch er selbst geben uns gar nicht erst die Möglichkeit, uns zu langweilen. Sofort werden wir mit Bier, Jägermeister und Kneipenwitzen abgefüllt und verlassen gegen Mitternacht völlig betrunken das Restaurant. Ein wirklich gelungener Tag und ein wirklich schöner Abend! Was man vom nächsten Morgen nicht wirklich behaupten kann! Trotzdem DANKE Ozzy!

Micha mit Ozzy vom "Restaurant Rilke".

Micha mit Ozzy vom „Restaurant Rilke“.

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