Non capisco!?

Ganz spontan entscheiden wir uns nach etwas Erholung vom 10€-Abend in Ozzys Laden doch noch den Simplonpass Richtung Italien zu nehmen. Über 2000 Höhenmeter liegen vor uns und das im Herbst mit Sommerreifen. Etwas mulmig ist uns beim „Aufstieg“. Regen, Nebel, Dunkelheit, fast alles ist dabei aber nach etwas über einer Stunde ist es geschafft: Italien begrüßt uns mit wohligen 12 Grad.

Gemütlich: der Simplonpass

Gemütlich: der Simplonpass

Nach einer Nacht etwas außerhalb von Domodossola geht es nach Valpiana im Piemont, um von dort aus die, so sagt man, wunderschönen alten und teilweise verlassenen Bergdörfer zu erkunden. Vom Tal aus (Villadossola) fast unsichtbar, kleben sie wie Vorsprünge an den bewaldeten Berghängen. Einige sind nicht mit dem Auto, sondern nur zu Fuß zu erreichen. Über steile Serpentinen mit teilweise 23 % Steigung erreichen wir unsere erste Station: Tappia.

Bei einer Tour durch dieses pittoreske, verschlafene Dorf kommen wir mit zwei Italienerinnen, einem Italiener und einem Jack Russel in Kontakt. Mit Händen und Füßen erzählen wir, woher wir kommen und was wir hier machen. Man könnte meinen, diese lustige Gruppe wurde extra nur für uns dort aufgestellt, denn ansonsten sieht man im ganzen Dorf niemanden.

Wenig später treffen wir eine der 3 an Ihrem Häuschen beim Blumen gießen wieder und werden von Ihr prompt zum Kaffee eingeladen. Kurz darauf kommt ihr Mann dazu. Die beiden sprechen kein Wort englisch oder deutsch, wir kein Wort italienisch. So kommen alle mitgebrachten Wörterbücher und Gliedmaßen zum Einsatz, um sich irgendwie etwas zu verständigen. Nach zwei Stunden anstrengendster körperlicher und geistiger Arbeit verlassen wir Anna und ihren Mann, jedoch mit der Einladung, wenig später nochmal vorbei zu kommen und auf der Piazza von Tappia übernachten zu dürfen. Bei süßem Weißwein, Grappa und Apfelkuchen geht das fröhliche Worteraten dann also bis spät in die Nacht weiter.

Wunderschönes Tappia

Wunderschönes Tappia

Am nächsten Morgen nehmen wir dann die 3. Einladung von Anna an und genießen nochmal einen leckeren italienischen Kaffee zu viert. Anna versorgt uns außerdem noch mit den wichtigsten, selbst angebauten und geernteten Obst- und Gemüsesorten und dann geht es auch schon weiter nach Viganella, das südlich von Tappia ebenfalls im Antronatal liegt. Was dabei leider nicht mitspielt, ist das Wetter: Es regnet wie aus Eimern.

Grazie mille per la ospitalità, per la caffè e le cose delizioso! È stato veramente un piacere conoscerti! Caso mai venissi in Germania, vieni a trovarci! Mi dispiace per il mio malo italiano! :-) A presto!

Grazie mille per la ospitalità, per la caffè e le cose delizioso! È stato veramente un piacere conoscerti! Caso mai venissi in Germania, vieni a trovarci! Mi dispiace per il mio malo italiano! 🙂 A presto!

Viganella liegt in dicken Wolken, die Berge ringsum sind nebelverhangen. Es regnet als gäbe es kein Morgen und trotzdem genießen wir die Stimmung, verlieren uns in den engen Gassen und winzigen Hinterhöfen. Labyrinthartig erstrecken sich die steinernen Wege und Treppen in alle Richtungen, durch fremde Gärten und gerademal schulterbreite Gässchen. Am Abend schlägt sich keiner von uns darum, die engen Serpentinen wieder ins Tal zu nehmen und so entscheiden wir uns, auf der Piazza von Viganella zu übernachten, inklusive gratis WiFi und zweifachem Glockengeläut im Viertel-Stunden-Takt (wir stehen direkt neben der Kirche).

Ein kurzer Einblick in die Infrastruktur Viganellas.

Ein kurzer Einblick in die Infrastruktur Viganellas.

Viganella im nebelverhangenen Antronatal

Viganella im nebelverhangenen Antronatal

Am nächsten Morgen, der Regen hat nicht nachgelassen, machen wir uns auf nach Bordo, einem einst verlassenen Bergdorf, dem von ein paar Deutschen, Österreichern und Schweizern in den 80er Jahren wieder neues Leben eingehaucht wurde. In einer Gemeinschaft lebend, wollten sie dort die ca. 400 Jahre alten Steinhäuser restaurieren und eine spirituelle Kommune gründen.
Bereits auf dem Weg dorthin, einem sehr alten Maultierpfad, kündigt sich das Dorf mit bunten tibetisch-buddhistischen Gebetsfahnen an.

Auf alten (steilen) Maultierpfaden nach Bordo

Auf alten (steilen) Maultierpfaden nach Bordo

Wir sehen wohl sehr verfroren und nass aus, denn wir werden zu einer schönen heißen Tasse Tee eingeladen und kommen so auch dazu, noch etwas mehr über Bordo und seine Menschen zu erfahren. Leider sind von der einstigen Gemeinschaft nicht mehr viele Menschen in Bordo verblieben, größtenteils ist das Dorf sogar wieder unbewohnt. Die Gemeinschaft war zum Teil einem zu starken Zu- und Abgang ausgesetzt. Einige kamen, wollten bleiben, hielten es jedoch nicht lange aus. Dazu kam, dass Bordo keinerlei Ackerflächen besitzt, weil es zu nah am Berg gebaut wurde. So gingen viele der neuen Bewohner überwiegend einer geregelten Arbeit, meist im benachbarten Ausland, nach und kamen viele Monate nicht zurück. Ein autarkes Leben im Einklang mit der Natur und ein intensiver Kontakt in und mit der Gemeinschaft war so nicht möglich und entsprach auch nicht dem Charakter einer Kommune. Mittlerweile hat sich daraus ein buddhistisches Retreatcenter entwickelt, in dem regelmäßig Veranstaltungen, wie beispielsweise mehrtägige Meditationskurse angeboten werden.

Dieses Mal bleibt es leider nur bei einem kurzen Abstecher nach Italien, denn wir müssen für knapp 2 Wochen zurück nach Hause: eine Dissertation und 4 Professoren sowie einige Arbeitskollegen und Familienmitglieder (in spe) warten auf eine Verteidigung. Danach wird die Reise mit einem Doktorhut Richtung französische Atlantikküste fortgesetzt.

1 Comment

  • Mutti sagt:

    Hallo Eulchen,
    du schreibst super!!! Dein Blog ist so lebendig und witzig – und er macht neugierig auf die Fortsetzung. Weiter so, wir freuen uns auf mehr und neue tolle Fotos :-).
    Liebe Grüße und einen dicken Drücker von Mu & Va

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