Paris, je t’aime!

Da stehen wir nun. Nach einem Fußmarsch von 2 km und einer 20 minütigen Bahnfahrt sind wir mitten drin: Paris. Es ist wühlig, chaotisch, laut und es stinkt, aber wir lieben es, sofort! Und trotzdem, man ist geflasht und auch etwas überfordert. Deshalb entscheiden wir uns erstmal für einen Starbuckskaffee direkt gegenüber vom Louvre, um uns zu sortieren und zu orientieren. Ein Plan muss her.

Das Pariser Wahrzeichen: La Tour Eiffel

Das Pariser Wahrzeichen: La Tour Eiffel

Was Paris anbelangt, war ich eigentlich die treibende Kraft. Ich will an den Eifelturm, in den Louvre, nach Montmatre, zur Notre Dame und und und. Der alte Lonely Planet Frankreich von 2007 den ich noch hatte, besitzt einen recht umfangreichen Paristeil; der ist voll mit meinen Wünschen und Erwartungen in Form von rosa Markierungen. Also mach ich die Pläne, Michi ist mit.

Am ersten Tag lassen wir diese Stadt erstmal nur auf uns wirken, wir laufen durch die Straßen des Rive Droite – des Sadtkerns nördlich der Seine. Über die richtig großen und breiten Boulevards sowie durch enge Seitenstraßen.

 

 

 

Paris hat so viel zu bieten

Paris hat so viel zu bieten

An jeder 2. Ecke eröffnet sich einem ein pompöser Platz, ein monumentales Gebäude, ein pittoreskes Cafés oder ein außergewöhnlicher Park. Man lässt das eine Staunen hinter sich und stolpert förmlich ins nächste. Es ist einfach zu viel aber man ist mittendrin und genießt es in vollen Zügen. Bevor wir also in den nächsten Tagen Pläne machen und feste Absichten haben, lernen wir uns erstmal kennen, Paris uns und wir Paris. Es ist traumhaft und verspricht, ein gutes Rendez-vous zu werden.

Hotel de Ville | Centre Pompidou

Hotel de Ville | Centre Pompidou

Eine der unzähligen wunderschönen Seitenstraßen von Paris | Das Ufer der Seine

Eine der unzähligen wunderschönen Seitenstraßen von Paris | Das Ufer der Seine

Am zweiten Tag erlaufen wir große Teile des 1er, 2e, 3e, 4e, 5e, 6e und 7e Arrondissement. Insgesamt ist Paris in 20 dieser Arrondissements aufgeteilt, die vom Louvre im Zentrum aus spiralförmig nach außen gehen. Geschätzte 15-20 km zu Fuß. Aber die Augen beschäftigen das Gehirn einfach zu sehr, so dass die Beine einfach laufen. Die obligatorischen Supersehenswürdigkeiten wie der Eifelturm, der Arc de Triomphe, die Champs Élysées und Notre Dame sind inbegriffen.

Arc de Triomphe | Der Eiffelturm

Arc de Triomphe | Der Eiffelturm

Notre Dame beglückt uns mit ihrem atemberaubenden Antlitz und einer Messe mit Gesang. Wir sind seelig!

Cathédrale Notre Dame de Paris

Cathédrale Notre Dame de Paris

Geografischer Nullpunkt

Geografischer Nullpunkt

Nicht nur sinngemäß ist Notre Dame das Zentrum Paris‘ sondern auch wortwörtlich: der Place du Parvis Notre-Dame direkt vor der Kathedrale ist sozusagen Kilometer Null aller französischen Straßen. Entfernungen zwischen der Hauptstadt und vielen anderen Orten Frankreichs werden genau von hier aus gemessen.

 

 

 

Apropos Entfernungen: völlig erschöpft und von diversen Schmerzen vom Bauchnabel abwärts geplagt, erreichen wir erst gegen 22 Uhr unseren Campingplatz. Schnell schlafe ich ein und träume von Labyrinthen und Menschen.

Weil wir die Besichtigung des Louvre bereits am Vortag haben sausen lassen, wir sind einfach zu viel gelaufen, soll er nun heute durch unsere Anwesenheit erhellt werden. Doch vorher habe ich mir noch die 2 ältesten noch existierenden Häuser Paris‘ vorgenommen aus dem 12. und aus dem 15. Jahrhundert, Michi muss mit.

12. Jahrhundert | 15. Jahrhundert

12. Jahrhundert | 15. Jahrhundert

Alles wird wieder erlaufen, was schön ist, weil man anstatt unter der Erde fremde Menschen in der Metro anzustarren, einfach alles von dieser Stadt sieht, das gute sowie das schlechte. Aber für uns ist alles gut, wir sind immer noch im Taumel, immer noch verliebt.
Doch bei all der Liebe haben wir die Zeit vergessen, für den Louvre ist es nach unserem Marsch wieder zu spät und so muss sein Besuch schon wieder verschoben werden, auf morgen. Dafür rückt Montmatre nach. Wir laufen vom Louvre aus von der Rue du Louvre auf die Rue Montmatre, kommen irgendwann von der geplanten Route ab, laufen weiter und stehen plötzlich vor dem Moulin Rouge.

Spaziergang durch Montmatre. Beginn am Moulin Rouge

Spaziergang durch Montmatre. Beginn am Moulin Rouge

Nach den obligatorischen Fotos beginnt von dort unser Spaziergang durch Montmatre am Café des Deux Moulins vorbei, bekannt aus dem Film „Die fabelhafte Welt der Amelie“, den Zwillingsmühlen von Montmatre, diversen berühmten sowie semiberühmten Gebäuden, Kabaretts, Museen und Restaurants.

Wunderschönes Montmatre. Viel zu entdecken

Wunderschönes Montmatre. Viel zu entdecken

Wunderschönes Montmatre II

Wunderschönes Montmatre II

Wir lassen uns treiben und stranden dann vor der Basilique du Sacré-Cœur, die uns zusätzlich zu Ihrer imposanten Hülle auch noch einen tollen Ausblick auf Paris anbietet. Diesen genießen wir dann mit ca. 3.000 anderen Touristen, einigen Straßenmusikern, Gauklern, Verkäufern und Polizisten.

Sacre Coeur | Chez Marie

Sacre Coeur de Montmatre | Chez Marie

Blick auf Paris und viele, viele Gesichter

Blick auf Paris und viele, viele Gesichter

Am 4. Tag schaffen wir es endlich in den Louvre. Die Karten haben wir uns bereits in der Pariser Touristeninformation gekauft. Sie kosteten so zwar 17 € anstatt 15 € aber man kann damit dann ganz einfach an all den Wartenden in der Schlange, und das sind wirklich viele, vorbeigehen und die Tickets sind ein ganzes Jahr gültig. Viel Zeit also, um den idealen Louvre-Tag zu planen.

Der Louvre: früherer Königspalast und heute drittgrößtes Museum der Welt

Der Louvre: früherer Königspalast und heute drittgrößtes Museum der Welt

Der Louvre ist in Bezug auf sein Wegenetz das kleine Pendant zur Stadt Paris. Ich studiere den Plan des Museums, der 4 Stockwerke mit jeweils schier unendlich vielen Sälen zeigt. Jedes Stockwerk ist farblich unterlegt, die Säle ebenfalls je nach Epoche oder Land bzw. Kultur. Alles ist bunt. Ich bin überfordert. Dann noch die Menschen. Asiaten, die alles fotografieren: sich mit dem obligatorischen Selfiestick, der überall zum Einsatz kommt, andere, wie sie Kunst fotografieren, ja sogar das Interieur. Ich versuche den Plan zu lesen wie eine Stadtkarte, doch ich versage. Dennoch, zur Mona Lisa schaffen wir es, wie ungefähr 2.000 andere.

La Joconde - die Mona Lisa und ihre Fans

La Joconde – die Mona Lisa und ihre Fans

Vorbei an Kunstwerken von Pannini, Botticelli, Michelangelo und vielen mehr. Nach 3 Stunden brummt der Kopf und die Füße brennen. Nach 4 Stunden geben wir auf. Etwas beruhigend ist die Information, dass man als Besucher des Louvre für die fast 15 Kilometer(!!) rund neun Monate bräuchte, um alle Kunstwerke wenigstens einmal kurz gesehen zu haben.

Eine winzig kleine Auswahl der Exponate | Die Physiognomie ganz rechts kommt mir bekannt vor ;-)

Eine winzig kleine Auswahl der Exponate | Die Physiognomie ganz rechts kommt mir bekannt vor 😉

Der letzte Punkt auf meiner Agenda, neben all den „Vielleicht-Markierungen“ ist der Cimetière du Père Lachaise am 5. Tag, einer der am stärksten frequentierten Friedhöfe der Welt. Viele der hier begrabenen Menschen sind Berühmtheiten: der Komponist Chopin, die Schriftsteller Proust und Wilde oder Sänger wie Edith Piaf und Jim Morrison.

Le Cimetière du Père-Lachaise

Le Cimetière du Père-Lachaise

An Edith Piafs Grab lege ich das abgefallene Blatt eines Kirschbaumes, Oskar Wildes Grab erkenne ich, weil ältere Damen mit weißen Rosen davor stehen und Fotos machen, Jim Morrisons Grab vergesse ich prompt. Naja, aber die Stimmung ist schön: Sonne, Bäume in allen erdenklichen Indian-Summer-Farben und etwas diesige Herbstluft. Nach all dem Beinsport gönnen wir uns dann abends endlich mal die Metro, um wieder nach Hause zu kommen. Was für eine Wohltat!

Paris und wir – keine Enttäuschung, keine Bitterkeit. Nur pures Leben, das uns jeden Tag aufs Neue pulsierend entgegensprang. Wir haben jeden Moment davon genossen.

À bientôt Paris, man sieht sich immer zweimal im Leben! (vielleicht auch drei-, vier- oder fünfmal!)

 

1 Comment

  • Cat sagt:

    Erst heute haben wir erfahren, was gestern abend in Paris passiert ist und sind völlig entsetzt! Unsere Gedanken sind bei den Opfern und deren Familien. Uns fehlen die Worte, wir sind sehr traurig!

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