Polarlichter – 4 Tipps wie die Jagd auf sie erfolgreich wird

Im Dunkeln stehen, den Kopf in den Nacken gelegt und dieses fast greifbare, dreidimensionale wabernde Leuchten über sich zu beobachten, wie es sich in Impulsen über den gesamten Himmel bewegt und die uns umgebende Dunkelheit in Grün-, Blau- und Violetttöne legt, das sollte wirklich jeder erlebt haben. Das sind die Momente, die sich im Gedächtnis einbrennen, die man nicht mehr vergisst.

Doch wie entstehen diese Lichterscheinungen am Himmel überhaupt und wie kann man sie auf die Chipkarte der Kamera bannen. Das alles erfahrt Ihr in diesem Beitrag.

Die sonst so trockene und abstrakte Physik wird hier zu einem erlebbaren, eindrucksvollen Naturschauspiel. „Schuld“ daran ist die Sonne, die ihre geladenen Teilchen mit enormer Geschwindigkeit in alle Richtungen spukt.

Das Magnetfeld schützt uns vor der immensen Kraft dieser Sonnenwinde. Es umhüllt die Erde jedoch nicht wie eine Blase, sondern wird von den elektrisch geladenen Sonnenteilchen in seiner Form verändert. Treffen diese nun auf die sogenannte Magnetosphäre der Erde werden sie auf den Feldlinien in Richtung magnetischer Pole abgelenkt und dringen dort erst in die Erdatmosphäre ein. Beim Zusammentreffen der Sonnenteilchen mit den Gasen (vor allem Stickstoff und Sauerstoff) unserer Erdatmosphäre wird Energie in Form von Lichterscheinungen frei. Dieses grüne, weiße, bläuliche oder rötliche Glühen nennen wir Polarlicht und je nach Pol Aurora Borealis (Nordpol) oder Aurora Australis (Südpol).

Weil wir über diese Erfahrung so glücklich und dankbar sind, möchte ich Euch an dieser Stelle ein paar hilfreiche Tipps weitergeben, um die Chancen auf ein ähnliches Nordlichtspektakel für Euch ggf. zu erhöhen.

#1 Das Wann und Wo?

Die Nordlichter verdanken ihren Namen einer ganz bestimmten Besonderheit: man sieht sie nur im Norden. Je weiter nördlich desto besser. Man muss dem Nordpol also so nah wie möglich kommen und das geht in Europa am Besten in Nordskandinavien. Um Tromsø in Nordnorwegen und auf den Lofoten soll die Chance auf Polarlichterbeobachtungen recht hoch sein. Wenig bis gar keine Lichtverschmutzung durch Städte oder Mond ist dabei sehr hilfreich. Wir persönlich haben sehr gute Erfahrungen in der einsamen Lapplandregion Skandinaviens bis nach Jokkmokk in Schweden gemacht. Sucht Euch dafür einen guten, exponierten Platz mit viel Weitsicht.

Polarlichter sind grundsätzlich ein ganzjähriges Phänomen. Sonnenwinde pausieren nicht im Sommer, um im Winter wieder in voller Pracht zu erscheinen. Doch das Problem ist hier der Urheber der Aurora Borealis selbst. Das Licht der Sonne ist einfach zu hell. Weil die Sonne im Sommer im Norden einfach nicht richtig untergehen will, ist die Möglichkeit, Polarlichter im Sommer zu sehen, relativ gering. Doch sobald die Tage wieder kürzer werden und die Herbstnächte beginnen, erhöhen sich auch die Chancen. Es gilt: je dunkler, desto besser. Lange, wolkenfreie Herbst- und v.a. Winternächte mit Neumond sind dafür also ideal. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass zwischen 21 – 0 Uhr die Aktivität und somit das Schauspiel am intensivsten war. Davor und danach waren auch immer Polarlichter zu sehen aber bei Weitem nicht so deutlich.

#2 Vorbereitung

Wie in so manchen Lebenssituationen ist auch hier eine gute Vorbereitung wichtig, denn wenn die Nordlichter erst einmal am Himmel grün und weiß aufglimmen, gibt es kein Halten mehr. Dann heisst es, warm anziehen, Kamera an, Lampe nehmen und raus aus dem Auto, denn wer zuerst kommt, sieht das Meiste. Doch bevor das passiert, gilt es erstmal, die aktuelle Intensität der Nordlichter im Internet zu prüfen. Die geomagnetische Aktivität reicht von Kp 1, also nur im äußersten Norden sichtbar bis hin zu maximal Kp 10. Dann ist der Sonnensturm so stark, dass Nordlichter bis Deutschland sichtbar werden können. In unseren Polarlichtnächten im nördlichen Lappland hatten wir einen maximalen Wert von kp 5-6, es tobte ein starker Sonnensturm – glücklicherweise!

Kommt es zur Sichtung, will man so schnell wie möglich raus und sich ein gutes, exponiertes Plätzchen suchen. Da ist für das Zusammensammeln der warmen Klamotten, Kochen von Tee und Suchen des Kameraquipmentes keine Zeit. Also habe ich alles vorbereitet: Tee gekocht, Klamotten nach dem Zwiebelschalenprinzip herausgesucht und meine Kamera samt Stativ bereits zusammengesteckt und eingestellt.

#3 Kameraequipment

Um Polarlichter einfangen zu können, müsst Ihr eine Kamera haben, mit der lange Belichtungen möglich sind. Auch der ISO-Wert und die Blende müssen manuell einstellbar sein. Empfehlenswert ist außerdem, im RAW-Modus fotografieren zu können, denn nur so ist eine nachträgliche Anpassung von Weißabgleich, Schärfe, Helligkeit und Tiefen möglich.

Schon durch das Drücken des Auslösers kann es bei Langzeitbelichtungen bereits zu Verwacklungen kommen, so dass eine Fernbedienung hilfreich sein kann. Ab 1/60 Sekunden lässt es sich nur noch schwer lässig aus der Hand fotografieren, ohne Verwacklungen. Ein Stativ muss also her, am besten mit Kugelkopf, so ist die Kamera darauf flexibler.

Durch zu viel Wind leider verwackelt - trotz Stativ

Kein Stativ – Keine Schärfe

Um so viel wie möglich von diesen wundervollen Lichterscheinungen, die oft am gesamten Himmel tanzen, einfangen zu können, lohnt sich ein Weitwinkelobjektiv ab 12mm. Als „Immer-Drauf-Reiseobjektiv“ habe ich mich für das Canon 15-85mm Objektiv entschieden und bin damit selbst bei Nordlichtern ganz gut zurechtgekommen.

Was noch von Vorteil wäre, ist eine Lampe, Kopf- oder Taschenlampe, um einerseits Objekte im Vordergrund anstrahlen zu können und andererseits kleine Effekte kreieren zu können.

Hier habe ich Lisa mit einer Kopflampe angeleuchtet

Hier habe ich Lisa mit einer Kopflampe angeleuchtet

#4 Kameraeinstellungen

Iso-Wert und Verschlusszeit

Gleich vorweg, ich habe den Fehler gemacht und mit einem sehr geringen ISO-Wert fotografiert, weil ich einfach kein Fan von verrauschten Bildern bin. Doch bis einem Wert von 800 hält sich das wirklich in Grenzen. Ein höherer ISO-Wert hat den Vorteil, dass nicht so lange belichtet werden muss. Je nach Umgebungshelligkeit (Dämmerung, Mond, Schnee) reicht dann eine Belichtungszeit von 8-15 Sekunden. Je kürzer diese Verschlusszeit ist, umso authentischer werden die Nordlichter in ihrer Struktur abgebildet. Über 15 Sekunden können sie bereits fließend, zweidimensional und zu weich wirken, was sie in der Realität meist aber nicht sind. Meine Bilder sind zwischen 8 und 50 Sekunden entstanden, den Unterschied zwischen den stark differenten Verschlusszeiten könnt ihr unten gut erkennen.

8 Sekunden Belichtung | 45 Sekunden Belichtung

8 Sekunden Belichtung | 45 Sekunden Belichtung

Blende

Um so viel Licht wie möglich mit der Kamera einfangen zu können, muss die Blende des Objektives so weit geöffnet sein, wie irgend möglich. Ich habe ein Objektiv mit einer Anfangsblende von 3,5. Mehr ging leider nicht. Speichert diese Einstellungen im Vorherein ab, so habt Ihr sie parat, wenn es losgeht.

Vielleicht noch eine Info vorweg: seid nicht enttäuscht, wenn Ihr bei vorhergesagten Nordlichtern nur einen grauen Schleier am Himmel erahnen könnt. Euch wird überraschen, was die Kamera bereits alles einfangen kann, obwohl das bloße Auge noch nicht wirklich etwas sieht. Hier gewinnt die Kamera gegenüber dem menschlichen Auge.

Wahrnehmung des menschlichen Auges | Wahrnehmung mittels Kamera

Wahrnehmung des menschlichen Auges | Wahrnehmung mittels Kamera

#4 Bildkomposition

Mit einer Ausbeute von 30-50 Bildern nach Hause zu kommen, auf denen ausschließlich grünes Licht und leuchtende Punkte abgebildet sind, ist nicht wirklich spannend. Vielmehr macht es die Mischung. Sucht Euch für schöne Fotos einen geeigneten Vordergrund, beispielsweise eine beleuchtete Hütte, ein Zelt, Bäume, ein See oder Berge. Ein Bezugspunkt veranschaulicht schön die Dimension von Nordlichtern am Himmel.

nordlichter-vordergrund

Verschiedene Bildkompositionen schaffen Dynamik

Mit der Spiegelung im Wasser doppelt schön

Mit der Spiegelung im Wasser doppelt schön

Ihr habt ebenfalls Polarlichter sehen können?

Unten könnt Ihr gern über Eure Erfahrungen berichten, Tipps sind ebenfalls willkommen

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