Wein so weit das Auge reicht

Weiter an der Atlantikküste entlang gen Süden muss jedoch ein kleiner Abstecher sein: Ins größte Weinanbaugebiet des Landes. Bordeaux und besonders St. Emilion liegen inmitten herrlichster, herbstlich gelb und rot leuchtender Weinberge, die nur dann und wann von mehr oder weniger pompösen und herrschaftlichen Châteaux durchbrochen werden. Wir lassen etliche Kilometer hinter uns, die Sonne scheint, es ist warm und die Hügel und Täler glitzern vom Tau, der von der letzten Nacht übrig blieb. Störche begleiten uns für kurze Zeit.
Doch dieses Idyll wird jäh unterbrochen, von Nebel, Regen und Kälte. Von wohligen T-Shirt Temperaturen kühlt es ab auf Dickes-Unterhosen-Niveau. Doch bei den Steigungen, mit denen St. Emilion aufwartet, wird es einem gleich wieder warm, zu warm. Um sich einen Überblick über diese wunderschöne Mittelalterstadt zu verschaffen, kann man sich für 1,50€ pro Person den Schlüssel für den Glockenturm im Zentrum der Stadt in der Touristeninformation direkt gegenüber beschaffen. Das klappt alles reibungslos, sofern niemand den Schlüssel von Innen im Schloss des Turmes stecken lässt, wie in unserem Fall. Während wir also warten, kosten die Beiden dort oben ihre Zweisamkeit aus und schauen aus Ihrem (ungwollten) Separé auf uns hinunter. Irgendwann verstehen sie mein Gewinke und Gefuchtel dann doch: 10 Minuten später genießen wir einen weiten und wunderschönen Blick über das gesamte Dorf und die angrenzenden Weinberge. Ich mehr oder weniger durch meine Fotolinse, Micha mit erhöhtem Herzschlag, es ist doch recht hoch da oben.

St. Emilion von oben

St. Emilion von oben

St.Emilion zu Fuß

St.Emilion zu Fuß

Auf die Vogel- folgt die Froschperspektive: Wir erkunden St.Emilion zu Fuß. Bergab, bergauf an gut 50 Weingeschäften vorbei. Nach ungefähr 3 Stunden haben wir alle Straßen und Gässchen wenigstens einmal erlaufen, Oliven vom Baum genascht – schlechte Idee, Khakis vom Baum geklaut – gute Idee. Vielleicht weiß es alle Welt, nur ich nicht, aber Oliven direkt vom Baum schmecken einfach nur bitter. Wieder etwas gelernt.

 

 

 

St. Emilion hat viel zu bieten

St. Emilion hat viel zu bieten

Alles in Allem ein wunderschönes, malerisches Städtchen, das viel zu bieten hat. Wer sich für Wein interessiert und mehr darüber erfahren und sehen will oder ihn einfach nur gerne trinkt und schöne Landschaft genießen möchte, der ist hier mehr als gut aufgehoben.

Wunderschön

Wunderschön

Am darauffolgenden Tag kehren wir dem Landesinneren schon wieder den Rücken und fahren Richtung Atlantikküste zurück. Wir steuern einen Campingplatz am Rande Bordeaux‘ an. Hier müssen so unliebsame Dinge wie Toilette entleeren, Wassertank füllen, Wäsche waschen und Auto putzen erledigt werden. Das sind eigentlich die einzigen Arbeiten, die immer wieder anstehen. Es macht trotzdem keinen Spaß. Danach wartet aber eine heiße Dusche auf uns beide.

Am nächsten Tag entscheiden wir uns nach einem Gespräch mit einem Camper aus Norddeutschland spontan dazu, Bordeaux, das wir mehr oder minder unbeachtet lassen wollten, doch noch zu besuchen. Er schwärmte mir bei unserem Gespräch einfach zu viel von dieser Stadt und er hat nicht übertrieben. Am Fluss Garonne entlang prahlt Bordeaux mit stattlicher und gut erhaltener Architektur aus dem 18. Jahrhundert. Farbenfrohe, neoklassizistische Häuser reihen sich eng aneinander. Diese Szenerie wird immer wieder von höchst modernen Gebäuden aufgebrochen. Die 3 Stunden, die wir in Bordeaux verbringen, reichen leider nicht mal annähernd dazu aus, sich ein Bild von dieser Stadt zu machen. Eines hat sie jedoch bei uns hinterlassen: sie ist zu schön, um nicht wiederzukommen!

Bordeaux, immer eine Wiederkehr wert

Bordeaux, immer eine Wiederkehr wert

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